Überblick
Viele KI-Systeme basieren auf Cloud-Infrastruktur oder externen API-Diensten. Sobald personenbezogene Daten an Anbieter außerhalb der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraums übermittelt werden, liegt ein sogenannter Drittlandtransfer vor.
Art. 44–49 DSGVO regeln die Voraussetzungen für solche Transfers. Gerade bei der Nutzung von US-amerikanischen KI-Anbietern, Cloud-Diensten oder LLM-APIs stellt sich regelmäßig die Frage: Ist das datenschutzrechtlich zulässig?
Dieser Beitrag erläutert:
- Wann ein Drittlandtransfer vorliegt
- Welche rechtlichen Mechanismen zulässig sind
- Rolle des EU-US Data Privacy Framework
- Standardvertragsklauseln (SCC)
- Transfer Impact Assessment (TIA)
- KI-spezifische Fragestellungen
Wann liegt ein Drittlandtransfer vor?
Ein Drittlandtransfer liegt vor, wenn:
- personenbezogene Daten
- an einen Empfänger außerhalb der EU/des EWR
- übermittelt oder zugänglich gemacht werden
Dies kann erfolgen durch:
- Cloud-Speicherung
- API-Aufrufe
- Remote-Zugriffe
- Support-Dienstleistungen
Missverständnis
Ein Drittlandtransfer liegt auch dann vor, wenn Daten zwar in der EU gespeichert sind, aber ein Zugriff aus einem Drittland möglich ist.
Typische KI-Szenarien
| Szenario | Drittlandtransfer? |
|---|---|
| Nutzung eines US-LLM per API | Ja |
| EU-Cloud-Anbieter mit US-Muttergesellschaft | Einzelfallprüfung |
| On-Premise-Modell ohne externen Zugriff | Nein |
| EU-Anbieter mit Sub-Processor in Drittland | Ja |
Rechtsmechanismen für Drittlandtransfers
Die DSGVO erlaubt Drittlandtransfers nur, wenn ein angemessenes Schutzniveau gewährleistet ist.
Angemessenheitsbeschluss (Art. 45)
Die EU-Kommission kann feststellen, dass ein Drittland ein angemessenes Datenschutzniveau bietet.
Beispiel:
- EU-US Data Privacy Framework (DPF)
Voraussetzung:
- Der konkrete Anbieter ist zertifiziert.
DPF prüfen
Nicht jeder US-Anbieter ist automatisch DPF-zertifiziert. Eine individuelle Prüfung ist erforderlich.
Standardvertragsklauseln (SCC) – Art. 46
SCC sind von der EU-Kommission genehmigte Vertragsmuster.
Sie regeln:
- Datenschutzpflichten
- Betroffenenrechte
- Haftung
- Sicherheitsmaßnahmen
SCC sind der häufigste Mechanismus bei KI-Cloud-Diensten.
Transfer Impact Assessment (TIA)
Nach dem Schrems-II-Urteil ist zusätzlich zu prüfen:
- Ob im Drittland staatliche Zugriffsmöglichkeiten bestehen
- Ob diese mit EU-Grundrechten vereinbar sind
- Ob zusätzliche Schutzmaßnahmen erforderlich sind
Das TIA dokumentiert diese Prüfung.
Schrems II – Bedeutung für KI
Der EuGH stellte klar:
- SCC allein reichen nicht immer aus
- Es ist eine Risikoprüfung erforderlich
Relevanz bei KI:
- Große US-Cloud-Anbieter
- Trainingsdatenverarbeitung
- API-basierte LLM-Nutzung
Zusätzliche Schutzmaßnahmen
Technische Maßnahmen können sein:
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
- Pseudonymisierung vor Übertragung
- Datenminimierung
- Zugriffsbeschränkungen
Organisatorische Maßnahmen:
- Vertragskontrolle
- Sub-Processor-Transparenz
- Audit-Rechte
API-Aufruf an ein US-LLM – ist das ein Transfer?
Ja, wenn:
- personenbezogene Daten im Prompt enthalten sind
- das Modell diese verarbeitet
- eine Speicherung oder Protokollierung erfolgt
Daher sollten geprüft werden:
- Logging-Policies
- Speicherfristen
- Trainingsverwendung
- Sub-Processor-Ketten
Prompt-Inhalte
Personenbezogene Daten in Prompts können einen Drittlandtransfer auslösen.
Ausnahmefälle (Art. 49)
In Ausnahmefällen sind Transfers zulässig:
- ausdrückliche Einwilligung
- Vertragserfüllung
- Geltendmachung von Rechtsansprüchen
Diese Ausnahmen sind restriktiv auszulegen und nicht als Dauerlösung gedacht.
Verbindung zum EU AI Act
Der AI Act verlangt zusätzlich:
- Transparenz bei Datenquellen
- Risikomanagement
- Dokumentation
Drittlandtransfers können Teil der Daten-Governance-Pflichten sein.
Praktische Umsetzung
Schritt 1 – Transfer-Inventur
- Welche KI-Dienste werden genutzt?
- Wo befinden sich Server?
- Wer hat Zugriff?
Schritt 2 – Rechtsmechanismus prüfen
- DPF-Zertifizierung vorhanden?
- SCC abgeschlossen?
- TIA durchgeführt?
Schritt 3 – Technische Schutzmaßnahmen
- Verschlüsselung implementiert?
- Pseudonymisierung vor API-Call?
Schritt 4 – Dokumentation
- Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten aktualisieren
- Drittlandtransfer dokumentieren
- Vertragsunterlagen archivieren
Typische Fehler
| Fehler | Risiko |
|---|---|
| Keine Prüfung von Sub-Processor | Verstoß gegen Art. 28 & 44 |
| Verlass auf SCC ohne TIA | Schrems-II-Risiko |
| Ungeprüfte API-Prompts | Unkontrollierter Datentransfer |
| Fehlende Dokumentation | Verstoß gegen Rechenschaftspflicht |
Governance-Empfehlung
Drittlandtransfers sollten:
- regelmäßig auditiert werden
- Bestandteil der KI-Architekturprüfung sein
- mit Sicherheits- und Compliance-Teams abgestimmt werden
Gerade bei generativer KI ist Transparenz über Datenflüsse entscheidend.
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Unabhaengige Rechtsberatung. Keine automatisierte Rechtsauskunft. Die Plattform ai-playbook.eu bietet keine Rechtsberatung.
Nächste Schritte
- Identifizieren Sie alle KI-bezogenen Drittlandtransfers.
- Prüfen Sie DPF-Zertifizierungen oder SCC.
- Führen Sie ein Transfer Impact Assessment durch.
- Implementieren Sie technische Schutzmaßnahmen.
- Aktualisieren Sie Ihre Datenschutzhinweise entsprechend.
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