Art. 25 DSGVO – Privacy by Design und Privacy by Default

Was bedeutet Privacy by Design und Privacy by Default nach Art. 25 DSGVO? Technische und organisatorische Anforderungen für KI-Systeme, Architekturprinzipien und eine praktische Checkliste für Entwickler.

11. Februar 20263 min read
DSGVOArt. 25Privacy by DesignPrivacy by DefaultKI-ArchitekturDatenschutz

Überblick

Art. 25 DSGVO verpflichtet Verantwortliche dazu, Datenschutz nicht nachträglich, sondern von Anfang an in Systeme und Prozesse zu integrieren. Dieses Prinzip wird als Privacy by Design bezeichnet. Ergänzend verlangt Privacy by Default, dass datenschutzfreundliche Einstellungen standardmäßig aktiviert sind.

Für KI-Systeme ist dieser Artikel besonders relevant, da Trainingsdaten, Modellarchitektur und Entscheidungslogik bereits in der Entwicklungsphase festgelegt werden.

Dieser Beitrag erläutert:

  • Die Anforderungen aus Art. 25 DSGVO
  • Die sieben Grundprinzipien von Privacy by Design
  • Technische Umsetzungsansätze bei KI-Systemen
  • Unterschied zwischen Design und Default
  • Eine praktische Checkliste für KI-Entwickler

Art. 25 DSGVO – Gesetzlicher Rahmen

Verantwortliche müssen:

  • geeignete technische und organisatorische Maßnahmen treffen
  • den Stand der Technik berücksichtigen
  • Implementierungskosten und Risiken einbeziehen
  • Datenschutzgrundsätze wirksam umsetzen

Frühzeitige Integration

Privacy by Design ist keine Dokumentationspflicht allein – sondern eine Architekturentscheidung.

Die sieben Prinzipien nach Cavoukian

  1. Proaktiv statt reaktiv
  2. Datenschutz als Standardeinstellung
  3. Datenschutz in das Design eingebettet
  4. Volle Funktionalität (kein „entweder-oder")
  5. Ende-zu-Ende-Sicherheit
  6. Transparenz
  7. Nutzerzentrierung

Diese Prinzipien sind nicht wortgleich im Gesetz verankert, dienen jedoch als anerkannter Referenzrahmen.

Privacy by Design im KI-Kontext

Datenerhebung

  • Minimierung der erhobenen Daten
  • Klare Zweckdefinition
  • Vermeidung unnötiger Sensitivität

Trainingsdaten

  • Repräsentativitätsprüfung
  • Bias-Analyse
  • Dokumentierte Auswahlkriterien

Modellarchitektur

Technische Maßnahmen können umfassen:

  • Federated Learning
  • Differential Privacy
  • On-Device Processing
  • Verschlüsselung während Training und Inferenz

Zugriffskontrollen

  • Rollenbasierte Zugriffssysteme
  • Trennung von Trainings- und Produktionsdaten
  • Logging von Zugriffen

Transparenzmechanismen

  • Modellkarten
  • Datenherkunftsdokumentation
  • Versionierung

Privacy by Default

Standardmäßig dürfen nur Daten verarbeitet werden, die:

  • für den jeweiligen Zweck erforderlich sind

Beispiele:

  • Tracking-Funktionen standardmäßig deaktiviert
  • Profilbildung nur nach Aktivierung
  • Minimale Datenspeicherung als Voreinstellung

Fehlkonfiguration vermeiden

Datenschutz darf nicht erst durch aktive Nutzerentscheidung hergestellt werden.

Technische Maßnahmen bei KI-Systemen

MaßnahmeZiel
PseudonymisierungReduzierung Identifizierbarkeit
VerschlüsselungSchutz vor unbefugtem Zugriff
Differential PrivacySchutz individueller Datenspuren
Federated LearningDaten verbleiben lokal
Access ControlsBegrenzung interner Nutzung

Verbindung zum EU AI Act

Privacy by Design ergänzt:

  • Risikomanagementpflichten
  • Daten-Governance-Anforderungen
  • Transparenzpflichten

Beide Rechtsakte verlangen einen strukturierten Entwicklungsprozess.

Praktische Checkliste für KI-Entwickler

Konzeptionsphase

  1. Zweckdefinition dokumentieren
  2. Datenkategorien definieren
  3. Sensible Daten identifizieren

Entwicklungsphase

  1. Minimierungsstrategie implementieren
  2. Bias-Tests durchführen
  3. Sicherheitsmaßnahmen integrieren

Implementierungsphase

  1. Default-Einstellungen prüfen
  2. Transparenzinformationen erstellen
  3. Zugriffskontrollen einrichten

Betriebsphase

  1. Regelmäßige Überprüfung
  2. Incident-Management etablieren
  3. Versionierung dokumentieren

Typische Fehler

FehlerRisiko
Datenschutz erst nach Entwicklung berücksichtigtSystemumstellungen notwendig
Unklare ZweckdefinitionZweckbindungsverstoß
Fehlende DokumentationVerstoß gegen Rechenschaftspflicht
Standardmäßig umfassende DatenerhebungPrivacy-by-Default-Verstoß

Governance-Empfehlung

Privacy by Design sollte:

  • Teil des Produktentwicklungsprozesses sein
  • in Architekturentscheidungen integriert werden
  • regelmäßig auditiert werden

Interdisziplinäre Zusammenarbeit (Recht, Technik, Compliance) ist entscheidend.

Hilfe bei der Umsetzung?

Arbeiten Sie mit Creativate AI Studio zusammen, um KI-Systeme zu entwerfen, zu validieren und zu implementieren — technisch fundiert, regelkonform und produktionsbereit.

Etwas Neuartiges oder Hochriskantes?

Kollaborieren Sie mit Creativate AI Studio und einem Netzwerk von Branchenexperten und Deep-Tech-Forschern, um fortgeschrittene KI-Systeme zu erforschen, zu prototypisieren und zu validieren.

Nächste Schritte

  1. Integrieren Sie Datenschutzanforderungen in Ihre Entwicklungsrichtlinien.
  2. Implementieren Sie datenschutzfreundliche Default-Einstellungen.
  3. Dokumentieren Sie technische Schutzmaßnahmen nachvollziehbar.
  4. Führen Sie regelmäßige Datenschutz-Reviews durch.
  5. Prüfen Sie Hochrisiko- oder DSFA-Relevanz.

Hilfe bei der Umsetzung?

Arbeiten Sie mit Creativate AI Studio zusammen, um KI-Systeme zu entwerfen, zu validieren und zu implementieren — technisch fundiert, regelkonform und produktionsbereit.

Rechtliche Klarheit gefragt?

Für spezifische Rechtsfragen zum AI Act und zur DSGVO steht Ihnen spezialisierte Rechtsberatung mit Fokus auf KI-Regulierung, Datenschutz und Compliance-Strukturen zur Verfuegung.

Unabhaengige Rechtsberatung. Keine automatisierte Rechtsauskunft. Die Plattform ai-playbook.eu bietet keine Rechtsberatung.

Verwandte Artikel