Überblick
Beim Einsatz externer KI-Cloud-Dienste (z. B. LLM-APIs, ML-Plattformen, Hosting-Dienste) liegt regelmäßig eine Auftragsverarbeitung im Sinne von Art. 28 DSGVO vor.
In diesem Fall ist ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) erforderlich, der bestimmte Mindestinhalte enthalten muss. Gerade bei KI-Diensten bestehen zusätzliche Besonderheiten – etwa hinsichtlich Trainingsdaten-Nutzung, Modellverbesserung oder Sub-Processor-Ketten.
Diese Checkliste dient als strukturierte Prüfungshilfe für Unternehmen.
Hinweis
Die konkrete Ausgestaltung eines AVV hängt vom Einzelfall ab und sollte juristisch geprüft werden.
AVV-Checkliste (Art. 28 DSGVO)
1️⃣ Grundstruktur des Vertrags
A) Gegenstand und Dauer
- Ist der Verarbeitungsgegenstand klar beschrieben?
- Ist die Laufzeit definiert?
- Ist der Zweck präzise benannt (z. B. „Hosting eines KI-Chatbots")?
B) Art und Zweck der Verarbeitung
- Welche Verarbeitungsschritte erfolgen (Speicherung, Training, Inferenz)?
- Erfolgt Modellverbesserung?
- Erfolgt Logging oder Analyse von Prompts?
C) Kategorien personenbezogener Daten
- Kundendaten
- Bewerbungsdaten
- Gesundheitsdaten
- Nutzungsdaten
- Sensible Kategorien (Art. 9 DSGVO)?
D) Kategorien betroffener Personen
- Kund:innen
- Mitarbeitende
- Bewerbende
- Patient:innen
- Sonstige
2️⃣ Weisungsgebundenheit
- Ist die Weisungsbindung eindeutig geregelt?
- Sind Weisungen dokumentierbar?
- Besteht ein Verfahren zur Änderung von Weisungen?
Typischer Fehler
Unklare oder zu weit gefasste Verarbeitungszwecke können die Weisungsbindung unterlaufen.
3️⃣ Vertraulichkeit
- Verpflichtung zur Vertraulichkeit der Mitarbeitenden?
- Zugriffsbeschränkungen definiert?
- Rollenkonzepte vorhanden?
4️⃣ Technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs)
- Verschlüsselung (in transit / at rest)
- Zugriffskontrolle
- Logging
- Incident-Response-Prozess
- Backup- und Wiederherstellungsmechanismen
- Schutz vor Modellmanipulation
Sind die TOMs als Anlage konkret beschrieben?
5️⃣ Sub-Processor (Unterauftragsverarbeiter)
- Werden Sub-Processor eingesetzt?
- Existiert eine vollständige Liste?
- Besteht ein Widerspruchsrecht bei Änderungen?
- Werden Sub-Processor vertraglich gleichwertig gebunden?
Sub-Processor-Ketten
Bei KI-Cloud-Diensten können mehrstufige Sub-Processor-Ketten bestehen. Transparenz ist hier besonders wichtig.
6️⃣ Drittlandtransfer
- Erfolgt Verarbeitung außerhalb der EU/des EWR?
- Besteht eine DPF-Zertifizierung?
- Sind Standardvertragsklauseln (SCC) abgeschlossen?
- Wurde ein Transfer Impact Assessment durchgeführt?
7️⃣ Unterstützung bei Betroffenenrechten
- Unterstützt der Dienstleister bei Auskunftsanfragen?
- Sind Löschmechanismen definiert?
- Können Daten aus Trainingsdatensätzen entfernt werden?
- Besteht Unterstützung bei Widerspruchsverfahren?
8️⃣ Trainingsdaten-Nutzung & Modellverbesserung (KI-spezifisch)
- Werden Kundendaten für Modelltraining verwendet?
- Erfolgt Nutzung nur anonymisiert/pseudonymisiert?
- Kann die Nutzung zu Trainingszwecken deaktiviert werden?
- Ist der Zweck transparent geregelt?
Modellverbesserung
Die Verwendung von Kundendaten zur Modellverbesserung kann eine eigenständige Verarbeitung darstellen.
9️⃣ API-Logging & Datenspeicherung
- Werden Prompts gespeichert?
- Werden Outputs gespeichert?
- Wie lange erfolgt die Speicherung?
- Sind Löschfristen definiert?
🔟 Kontroll- und Auditrechte
- Besteht ein Auditrecht?
- Werden Zertifizierungen bereitgestellt (z. B. ISO)?
- Ist ein Auditprozess definiert?
1️⃣1️⃣ Datenlöschung & Rückgabe
- Werden Daten nach Vertragsende gelöscht oder zurückgegeben?
- Ist der Löschprozess dokumentiert?
- Gibt es Nachweise über die Löschung?
1️⃣2️⃣ Incident-Management
- Meldepflicht bei Datenschutzvorfällen geregelt?
- Fristen definiert?
- Kooperationspflichten vereinbart?
Kompakte Prüfmatrix
| Prüfpunkt | Erfüllt (Ja/Nein) | Handlungsbedarf |
|---|---|---|
| AVV abgeschlossen | ||
| TOMs konkretisiert | ||
| Sub-Processor geprüft | ||
| Drittlandtransfer geregelt | ||
| Trainingsdaten-Nutzung klar geregelt | ||
| Betroffenenrechte-Unterstützung gesichert |
Typische Fehlerquellen
| Fehler | Risiko |
|---|---|
| Kein AVV bei API-Nutzung | DSGVO-Verstoß |
| Unklare Trainingsdatennutzung | Zweckbindungsproblem |
| Fehlende SCC/TIA | Drittlandtransfer-Verstoß |
| Kein Auditrecht | Kontrollverlust |
| Keine klare Löschregelung | Rechenschaftspflicht-Verstoß |
Praktische Empfehlung
Vor Einsatz eines KI-Cloud-Dienstes sollten Sie:
- Rollenklärung (Verantwortlicher vs. Auftragsverarbeiter) durchführen.
- AVV prüfen oder neu verhandeln.
- Sub-Processor-Kette vollständig analysieren.
- Drittlandtransfers dokumentieren.
- Trainingsdaten-Nutzung vertraglich klar regeln.
Hilfe bei der Umsetzung?
Arbeiten Sie mit Creativate AI Studio zusammen, um KI-Systeme zu entwerfen, zu validieren und zu implementieren — technisch fundiert, regelkonform und produktionsbereit.
Rechtliche Klarheit gefragt?
Für spezifische Rechtsfragen zum AI Act und zur DSGVO steht Ihnen spezialisierte Rechtsberatung mit Fokus auf KI-Regulierung, Datenschutz und Compliance-Strukturen zur Verfuegung.
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Nicht sicher, wo Sie stehen?
Wenn Ihr KI-Anwendungsfall nicht eindeutig in eine Kategorie passt, senden Sie uns eine kurze Beschreibung — wir weisen Sie in die richtige Richtung.
Nächste Schritte
- Prüfen Sie bestehende KI-Cloud-Verträge anhand dieser Checkliste.
- Identifizieren Sie Lücken bei Trainingsdaten- oder Sub-Processor-Regelungen.
- Klären Sie Drittlandtransfer-Mechanismen.
- Aktualisieren Sie Ihre Dokumentation.
- Lassen Sie Ihren AVV bei Bedarf von qualifizierten Expert:innen unter /experts prüfen.
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